Schulterschmerzen: Warum ein Sehnenriss nicht immer wehtut
Die Schulter ist wie ein Golfball auf einem Tee. Warum viele Menschen einen Sehnenriss ohne Schmerzen haben, was Studien zur Operation zeigen und was wirklich hilft.
Hinweis: Die gezeigten Übungen sind informierende, unterstützende Übungen und ersetzen keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Damit sie werfen, schwimmen und sogar am Rücken kratzen kann, ist sie ungewöhnlich gebaut. Zwei kurze Erklärvideos zeigen, warum Schmerz und Schaden in der Schulter oft nicht zusammenpassen.
Teil 1: Ein Golfball auf einem Tee
Der Oberarm endet in einer großen Kugel, die Gelenkpfanne ist dagegen klein. Während die Hüfte tief in ihrer Pfanne sitzt wie ein Ei im Eierbecher, balanciert die Schulter eher. Festgehalten wird sie vor allem von Muskeln und Sehnen – insbesondere von vier kleinen Muskeln, der Rotatorenmanschette.
In einem japanischen Dorf wurden bei über 600 Menschen die Schultern per Ultraschall untersucht (Minagawa und Kollegen, 2013). Bei etwa jedem Fünften war eine Sehne der Rotatorenmanschette vollständig gerissen – und rund zwei Drittel davon hatten keine Schmerzen. In einer weiteren Studie (Tempelhof und Kollegen, 1999) hatte bei beschwerdefreien Menschen über 80 Jahren etwa jeder Zweite einen Riss.
Teil 2: Schmerz ist eine Alarmanlage
Schmerz ist kein Röntgenbild, sondern eher eine Alarmanlage. Sie meldet nicht nur Schäden, sondern auch ungewohnte Belastung – etwa drei Stunden Decke streichen, obwohl der Arm sonst kaum über Kopf arbeitet. Schlechter Schlaf und Stress können die Alarmanlage zusätzlich lauter stellen.
Eine große Studie aus Großbritannien (CSAW, 2018, The Lancet) verglich bei Schulterschmerzen eine echte Operation mit einer Scheinoperation, bei der nur hineingeschaut wurde. Die echte Operation war nicht überlegen. Bei kleinen, nicht unfallbedingten Sehnenrissen war Physiotherapie nach einem Jahr ähnlich wirksam wie eine Operation (Kukkonen und Kollegen, 2014).
Drei Dinge, die Ihrer Schulter helfen können
- Nicht zu lange schonen. Bewegen, so gut es geht.
- Die Rotatorenmanschette trainieren, damit sie den Oberarmkopf sicher führt.
- Langsam steigern statt plötzlicher Großeinsätze.
Warnzeichen
- Schmerzen in der linken Schulter mit Druck auf der Brust oder Atemnot: sofort den Notruf 112 wählen
- Der Arm lässt sich nach einem Sturz nicht mehr heben: in die Notaufnahme
- Heiße, geschwollene Schulter mit Fieber: sofort ärztlich abklären lassen
Passende Übungen finden Sie in unserem Übungsbereich für die Schulter.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei starken, anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden lassen Sie sich bitte ärztlich beraten.
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Muss ein Sehnenriss in der Schulter operiert werden?
Nicht immer. Viele Risse verursachen keine Beschwerden, und bei kleinen, nicht unfallbedingten Rissen war Physiotherapie in Studien ähnlich wirksam wie eine Operation. Die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.
Warum tut meine Schulter nach ungewohnter Arbeit weh?
Sehnen reagieren empfindlich auf plötzliche, ungewohnte Belastung. Schmerz ist dabei oft ein Warnsignal und nicht automatisch ein Zeichen für einen Schaden.
Wann sind Schulterschmerzen ein Notfall?
Wenn Schmerzen in der linken Schulter mit Brustdruck oder Atemnot auftreten, sofort den Notruf 112 wählen. Auch nach einem Sturz mit Kraftverlust oder bei Fieber mit geschwollener Schulter sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden.
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Brustdehnung im Türrahmen
