Rücken (LWS)10. August 2026

Hexenschuss: Erste Schritte und sanfte Übungen

Ein Hexenschuss kann plötzlich auftreten und starke Rückenschmerzen verursachen. Erfahren Sie hier, wie Sie bei akuten Beschwerden reagieren können und welche sanften Übungen oft empfohlen werden.

Hinweis: Die gezeigten Übungen sind informierende, unterstützende Übungen und ersetzen keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.

Ein plötzlicher, stechender Schmerz im unteren Rücken, der jede Bewegung erschwert, wird umgangssprachlich oft als Hexenschuss oder Lumbago bezeichnet. Dieses unangenehme Ereignis kann aus heiterem Himmel auftreten und Betroffene in ihrer Bewegungsfreiheit stark einschränken.

Was ist ein Hexenschuss (Lumbago)?

Unter einem Hexenschuss versteht man in der Regel eine akute, oft sehr schmerzhafte Muskelverspannung im Bereich der Lendenwirbelsäule. Häufig ist keine schwerwiegende Ursache erkennbar. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren dazu beitragen können, wie zum Beispiel ungünstige Bewegungen, Überlastung, aber auch Stress oder Kälte.

Ursachen und Auslöser

Oftmals tritt ein Hexenschuss ohne einen eindeutigen Auslöser auf, kann aber durch folgende Situationen begünstigt werden:

  • Ungeschickte Bewegungen: Zum Beispiel das plötzliche Heben schwerer Gegenstände oder eine schnelle Drehbewegung aus dem Rumpf.
  • Muskuläre Dysbalancen: Eine unausgewogene Muskulatur im Rumpfbereich, insbesondere schwache Bauch- oder Rückenmuskeln, kann die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen.
  • Langes Sitzen oder Stehen: Eine statische Haltung kann die Rückenmuskulatur überlasten oder verkürzen.
  • Kälte oder Zugluft: Viele Betroffene berichten von einer Verschlimmerung der Symptome bei Kälteeinwirkung.
  • Stress: Psychische Belastungen können sich auch physisch manifestieren und zu Muskelverspannungen führen.

Die Schmerzen entstehen meist durch eine Verkrampfung der Muskulatur, die den Rücken stabilisiert. Diese Verkrampfung kann die Beweglichkeit stark einschränken und einen Teufelskreis aus Schmerz und weiterer Verspannung auslösen.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Obwohl ein Hexenschuss in vielen Fällen harmlos ist, gibt es Warnsignale, bei denen Sie unbedingt umgehend ärztlichen Rat einholen sollten. Dies ist besonders wichtig, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen:

  • Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Beinen oder im Gesäß.
  • Unerklärlicher Kraftverlust in einem oder beiden Beinen.
  • Plötzliche Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang (Inkontinenz oder Harnverhalt).
  • Fieber, unerklärlicher Gewichtsverlust oder starke Nachtschmerzen in Verbindung mit den Rückenschmerzen.
  • Der Schmerz strahlt stark ins Bein aus und geht möglicherweise bis unter das Knie (Verdacht auf Bandscheibenvorfall).
  • Die Schmerzen sind extrem stark und lassen sich durch keine Position oder Schmerzmittel lindern.
  • Sie haben eine bekannte Vorgeschichte mit Knochenbrüchen, Krebs oder Osteoporose und die Schmerzen treten neu auf.
  • Die Symptome bessern sich nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen oder verschlimmern sich sogar.

In diesen Fällen ist eine schnelle Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt unerlässlich.

Erste Hilfe bei akutem Hexenschuss

Wenn der Schmerz plötzlich auftritt und Sie keine der oben genannten Warnzeichen verspüren, können folgende Maßnahmen Linderung verschaffen:

Die Stufenlagerung

Legen Sie sich auf den Rücken, idealerweise auf einen festen Untergrund. Legen Sie Ihre Unterschenkel auf einen Stuhl oder Kissen, sodass Hüft- und Kniegelenke jeweils einen Winkel von etwa 90 Grad bilden. Diese Position entlastet die Lendenwirbelsäule und kann helfen, die verkrampfte Muskulatur zu entspannen. Bleiben Sie so lange in dieser Position, wie es Ihnen angenehm ist.

Wärme

Wärme kann helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Nutzen Sie eine Wärmflasche, ein Heizkissen oder ein warmes Bad, sofern Sie sich bewegen können. Legen Sie die Wärmequelle direkt auf die schmerzende Stelle.

Sanfte Bewegung

Auch wenn es schwerfällt, versuchen Sie, in Bewegung zu bleiben. Absolute Schonung über längere Zeit kann die Genesung verzögern. Kurze Spaziergänge oder sehr sanfte Bewegungen im schmerzfreien Bereich können hilfreich sein. Hören Sie dabei stets auf Ihren Körper und vermeiden Sie alles, was den Schmerz verstärkt.

Sanfte Übungen für die Folgetage

Sobald der akuteste Schmerz etwas nachgelassen hat und Sie sich wieder vorsichtig bewegen können, können Sie mit sanften Übungen beginnen. Diese können dazu beitragen, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Muskulatur zu lockern. Führen Sie alle Übungen langsam und kontrolliert aus und beenden Sie sie sofort, wenn der Schmerz zunimmt. Atmen Sie während der Übungen ruhig und tief ein und aus.

1. Katzenbuckel und Pferderücken (Katze-Kuh)

Beginnen Sie im Vierfüßlerstand. Die Hände sind unter den Schultern, die Knie unter den Hüften. Atmen Sie aus und machen Sie einen Katzenbuckel, indem Sie den Rücken nach oben wölben und den Kopf senken. Atmen Sie ein und machen Sie einen Pferderücken, indem Sie den Rücken leicht ins Hohlkreuz senken und den Kopf heben. Wiederholen Sie dies 8 bis 12 Mal.

2. Beckenkippung im Liegen

Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine sind angewinkelt und die Füße stehen flach auf dem Boden. Kippen Sie Ihr Becken langsam nach hinten, sodass der untere Rücken auf den Boden gedrückt wird. Halten Sie die Spannung für ein paar Sekunden und lösen Sie dann wieder. Wiederholen Sie die Übung 10 bis 15 Mal.

3. Knie zur Brust ziehen

Legen Sie sich auf den Rücken. Ziehen Sie ein Knie vorsichtig mit beiden Händen zur Brust, bis Sie eine sanfte Dehnung im unteren Rücken spüren. Halten Sie die Position für 20 bis 30 Sekunden und wechseln Sie dann die Seite. Wiederholen Sie dies 2 bis 3 Mal pro Seite. Achten Sie darauf, den unteren Rücken dabei nicht ins Hohlkreuz zu ziehen.

4. Seitliche Rumpfbeuge im Sitzen

Setzen Sie sich auf einen Stuhl, die Füße stehen fest auf dem Boden. Heben Sie einen Arm über den Kopf und neigen Sie den Oberkörper langsam zur gegenüberliegenden Seite, bis Sie eine leichte Dehnung in der seitlichen Rumpfmuskulatur spüren. Halten Sie kurz und kehren Sie zur Ausgangsposition zurück. Wiederholen Sie dies 5 bis 8 Mal pro Seite.

5. Rotation der Lendenwirbelsäule im Liegen

Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine sind angewinkelt und die Füße stehen flach auf dem Boden. Lassen Sie beide Knie langsam und gleichzeitig zur Seite sinken, während die Schultern auf dem Boden bleiben. Kehren Sie langsam zur Mitte zurück und lassen Sie die Knie zur anderen Seite sinken. Führen Sie 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite aus.

6. Leichte Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur

Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie ein Bein an. Strecken Sie das andere Bein nach oben, soweit es Ihnen angenehm ist, und fassen Sie es an der Wade oder am Oberschenkel. Ziehen Sie das Bein sanft zu sich heran, bis Sie eine Dehnung spüren. Halten Sie diese für 20 bis 30 Sekunden und wechseln Sie dann die Seite. Wiederholen Sie dies 2 bis 3 Mal pro Seite. Verkürzte Oberschenkelmuskeln können indirekt den unteren Rücken belasten.

Vorbeugung eines Hexenschusses

Um einem Hexenschuss vorzubeugen, ist es wichtig, den Rücken zu stärken und auf eine rückenschonende Haltung zu achten. Regelmäßige Bewegung, ein ergonomischer Arbeitsplatz, das Vermeiden von Übergewicht und der Abbau von Stress können hierbei eine wichtige Rolle spielen. Physiotherapeutische Übungen, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, können ebenfalls sehr unterstützend wirken.

Bleiben Sie aktiv und achten Sie auf die Signale Ihres Körpers. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden suchen Sie bitte eine Ärztin oder einen Arzt auf, um die genaue Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu besprechen.

Häufige Fragen

Was tun bei akutem Hexenschuss?

Bei akutem Hexenschuss können Sie sich in die Stufenlagerung begeben, Wärme anwenden und versuchen, in sanfter Bewegung zu bleiben. Bei starken Schmerzen oder Warnsignalen sollten Sie umgehend ärztlichen Rat einholen.

Wie lange dauert ein Hexenschuss?

Die Dauer eines Hexenschusses kann variieren. Oft lassen die stärksten Schmerzen innerhalb weniger Tage nach. Die vollständige Genesung kann jedoch ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen, abhängig von der individuellen Verfassung und den angewandten Maßnahmen.

Sind Übungen bei Hexenschuss hilfreich?

Sobald der akuteste Schmerz nachgelassen hat, können sanfte Übungen dazu beitragen, die Muskulatur zu lockern und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Es ist wichtig, die Übungen vorsichtig und schmerzfrei auszuführen. Bei starken Schmerzen oder Warnzeichen sind Übungen kontraindiziert.

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