Hüftschmerzen beim Gehen: Ursachen, Hilfe und Übungen
Hüftschmerzen beim Gehen können den Alltag stark beeinträchtigen. Erfahren Sie mehr über mögliche Ursachen, wann ärztlicher Rat wichtig ist und welche sanften Übungen unterstützen können.
Hinweis: Die gezeigten Übungen sind informierende, unterstützende Übungen und ersetzen keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
Hüftschmerzen beim Gehen: Ein häufiges Beschwerdebild
Hüftschmerzen beim Gehen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie können von einem leichten Ziehen bis zu einem stechenden oder brennenden Schmerz reichen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Die Hüfte ist ein komplexes Gelenk, das täglich großen Belastungen standhält. Beim Gehen muss sie nicht nur das Körpergewicht tragen, sondern auch Stöße abfedern und Bewegungen in verschiedene Richtungen ermöglichen. Daher können unterschiedliche Faktoren zu Schmerzen in diesem Bereich führen.
Die Funktion der Hüfte verstehen
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, das den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Becken verbindet. Es ist von einer starken Gelenkkapsel umgeben und wird durch zahlreiche Bänder und Muskeln stabilisiert. Diese Struktur ermöglicht eine große Bewegungsfreiheit und gleichzeitig eine hohe Belastbarkeit. Die umliegende Muskulatur, insbesondere die Gesäßmuskulatur, die Hüftbeuger und die Adduktoren, spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität und Funktion des Gelenks. Dysbalancen oder Schwächen in diesen Muskeln können sich auf die Biomechanik des Gehens auswirken und zu Schmerzen führen.
Mögliche Ursachen für Hüftschmerzen beim Gehen
Die Ursachen für Hüftschmerzen beim Gehen sind vielfältig. Es ist wichtig zu verstehen, dass die genaue Diagnose einer Fachperson, wie einem Arzt oder einer Ärztin, vorbehalten ist. Hier sind einige der häufigsten Gründe, die solche Beschwerden verursachen können:
- Arthrose des Hüftgelenks (Coxarthrose): Dies ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel im Hüftgelenk abnutzt. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Hüftschmerzen, insbesondere bei älteren Menschen. Der Schmerz tritt oft bei Belastung auf, lässt in Ruhe nach und kann sich morgens oder nach längeren Ruhephasen steif anfühlen.
- Muskuläre Dysbalancen und Überlastung: Eine Schwäche oder Verkürzung der Gesäßmuskulatur, der Hüftbeuger oder der Oberschenkelmuskulatur kann die Biomechanik des Gehens stören. Dies kann zu einer ungleichmäßigen Belastung des Gelenks und umliegender Strukturen führen. Überlastung, zum Beispiel durch ungewohnte oder intensive sportliche Aktivitäten, kann ebenfalls Schmerzen hervorrufen.
- Sehnenentzündungen (Tendinitiden): Insbesondere die Sehnen der Gesäßmuskulatur (Glutealmuskeln) am großen Rollhügel (Trochanter major) oder die Sehnen der Hüftbeuger können sich entzünden. Dies äußert sich oft als Schmerz an der Außenseite der Hüfte oder vorne in der Leistengegend, der beim Gehen oder Liegen auf der betroffenen Seite zunimmt.
- Schleimbeutelentzündung (Bursitis): Eine Entzündung der Schleimbeutel, die als Puffer zwischen Knochen, Muskeln und Sehnen dienen, kann ebenfalls Schmerzen verursachen. Die Bursitis trochanterica ist hier die häufigste Form und äußert sich durch Schmerzen an der Außenseite der Hüfte.
- Hüftimpingement (Femoroacetabuläres Impingement, FAI): Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem mechanischen Konflikt zwischen dem Oberschenkelhals und der Gelenkpfanne des Beckens, besonders bei bestimmten Bewegungen. Dies kann zu Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit führen.
- Ischias-Beschwerden: Obwohl der Ischiasnerv vom unteren Rücken ausgeht, können die Schmerzen in die Hüfte ausstrahlen und beim Gehen spürbar sein.
- Probleme im unteren Rücken oder im Becken: Schmerzen, die von der Lendenwirbelsäule oder dem Iliosakralgelenk ausgehen, können oft in die Hüftregion ausstrahlen und dort Schmerzen beim Gehen verursachen.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten, Wichtige Warnsignale
Es ist von größter Bedeutung, ärztlichen Rat einzuholen, wenn Sie Hüftschmerzen beim Gehen erleben, insbesondere unter folgenden Umständen. Diese Symptome können auf ernstere Zustände hinweisen, die eine professionelle Abklärung erfordern:
- Plötzlich auftretende, starke Schmerzen ohne ersichtlichen Grund.
- Schmerzen, die nicht besser werden oder sich sogar verschlimmern, trotz Schonung und Selbsthilfemaßnahmen.
- Eingeschränkte Gehfähigkeit oder deutliches Hinken.
- Ausstrahlung der Schmerzen in das Bein (Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust).
- Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Unwohlsein in Verbindung mit den Hüftschmerzen.
- Unerklärlicher Gewichtsverlust.
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
- Verformungen oder Schwellungen im Hüftbereich.
- Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall.
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann eine genaue Diagnose stellen und eine geeignete Behandlungsstrategie entwickeln. Dies kann bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder Ultraschall umfassen.
Sanfte Selbsthilfe und unterstützende Maßnahmen
Bei weniger ausgeprägten Beschwerden, die ärztlich abgeklärt sind und keine der oben genannten Warnsignale zeigen, können folgende Maßnahmen Linderung bringen und den Heilungsprozess unterstützen:
- Schonung: Vermeiden Sie für eine gewisse Zeit Aktivitäten, die den Schmerz provozieren. Dies bedeutet nicht komplette Bettruhe, sondern eine Reduktion der Belastung.
- Kühlen oder Wärmen: Bei akuten Schmerzen oder Entzündungen kann Kühlen (z. B. mit einem Kühlpack für 15–20 Minuten) hilfreich sein. Bei chronischen Beschwerden oder Muskelverspannungen kann Wärme (z. B. ein warmes Bad oder Wärmepflaster) entspannend wirken.
- Schmerzmittel aus der Apotheke: Kurzfristig können rezeptfreie Schmerzmittel, wie sie in der Apotheke erhältlich sind, zur Linderung der Symptome beitragen. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Apotheker oder Ihrer Apothekerin.
- Physiotherapie: Ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin kann Ihnen gezielte Übungen zeigen, um die Muskulatur rund um die Hüfte zu stärken, zu dehnen und die Gelenkfunktion zu verbessern. Auch manuelle Techniken können angewendet werden. Viele Betroffene berichten von einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden durch eine individuelle physiotherapeutische Betreuung.
5 Übungen zur Unterstützung bei Hüftschmerzen beim Gehen
Die folgenden Übungen können zur Stärkung und Mobilisierung der Hüftregion beitragen und somit Schmerzen beim Gehen entgegenwirken. Führen Sie die Übungen langsam und kontrolliert aus. Wenn eine Übung Schmerzen verursacht oder verstärkt, beenden Sie diese bitte sofort und besprechen Sie dies gegebenenfalls mit Ihrem Physiotherapeuten oder Ihrer Ärztin. Es ist ratsam, diese Übungen erst nach ärztlicher Abklärung zu beginnen.
Übung 1: Beinheben in Seitenlage zur Kräftigung der Gesäßmuskulatur
- Ausführung: Legen Sie sich auf die Seite, die Beine sind gestreckt übereinander. Stützen Sie sich mit dem unteren Arm am Kopf ab. Heben Sie das obere Bein gestreckt und langsam so hoch an, wie es ohne Schmerzen möglich ist. Halten Sie die Position kurz und senken Sie das Bein dann wieder kontrolliert ab. Achten Sie darauf, dass der Rumpf stabil bleibt und Sie nicht ins Hohlkreuz fallen.
- Wiederholungen: Beginnen Sie mit 8–12 Wiederholungen pro Seite für 2–3 Sätze.
- Effekt: Diese Übung stärkt den mittleren Gesäßmuskel (Gluteus medius), der für die Stabilisierung des Beckens beim Gehen entscheidend ist.
Übung 2: Muschelübung (Clamshell) zur Aktivierung der Hüftrotatoren
- Ausführung: Legen Sie sich wieder auf die Seite, die Beine sind leicht angewinkelt, die Knie liegen aufeinander. Halten Sie die Füße zusammen und heben Sie langsam das obere Knie an, als würden Sie eine Muschel öffnen. Achten Sie darauf, dass die Hüfte nicht nach hinten kippt. Senken Sie das Knie kontrolliert wieder ab.
- Wiederholungen: Führen Sie 10–15 Wiederholungen pro Seite für 2–3 Sätze durch.
- Effekt: Stärkt die äußere Hüftmuskulatur, insbesondere die kleinen Gesäßmuskeln, die für die Stabilität und die Außenrotation der Hüfte wichtig sind.
Übung 3: Beckenlift (Bridge) zur Stärkung der Gesäß- und Rückenmuskulatur
- Ausführung: Legen Sie sich auf den Rücken, die Knie sind angewinkelt und die Füße stehen flach auf dem Boden, hüftbreit auseinander. Heben Sie langsam Ihr Becken vom Boden ab, bis Schultern, Hüfte und Knie eine gerade Linie bilden. Spannen Sie dabei die Gesäßmuskulatur an. Halten Sie die Position für einen Moment und senken Sie das Becken dann kontrolliert wieder ab.
- Wiederholungen: Machen Sie 10–15 Wiederholungen für 2–3 Sätze.
- Effekt: Kräftigt die Gesäßmuskulatur und die hintere Oberschenkelmuskulatur, welche die Hüftstreckung beim Gehen unterstützen.
Übung 4: Hüftbeuger-Dehnung im Ausfallschritt
- Ausführung: Knien Sie auf ein Bein (z. B. rechts), das andere Bein (links) stellen Sie mit dem Fuß flach auf den Boden nach vorne. Schieben Sie Ihr Becken langsam nach vorne, bis Sie eine Dehnung im vorderen Bereich der Hüfte des knienden Beins spüren. Halten Sie den Rücken gerade und den Bauch angespannt. Halten Sie die Dehnung für 20–30 Sekunden und wechseln Sie dann die Seite.
- Wiederholungen: Wiederholen Sie die Dehnung 2–3 Mal pro Seite.
- Effekt: Dehnt die oft verkürzten Hüftbeuger, was die Beweglichkeit der Hüfte verbessern und eine aufrechtere Haltung beim Gehen fördern kann.
Übung 5: Beinpendel zur Mobilisierung
- Ausführung: Stellen Sie sich aufrecht hin und halten Sie sich an einer stabilen Oberfläche (z. B. einer Wand oder einem Stuhl) fest. Lassen Sie ein Bein locker nach vorne und hinten schwingen, ohne dabei den Rumpf zu verdrehen. Die Bewegung sollte aus der Hüfte kommen. Führen Sie die Schwingbewegung kontrolliert und in einem schmerzfreien Bereich aus.
- Wiederholungen: Führen Sie 10–15 Schwingungen pro Bein durch und wechseln Sie dann die Seite. Wiederholen Sie dies für 2 Sätze.
- Effekt: Fördert die Beweglichkeit im Hüftgelenk auf sanfte Weise und kann die Gelenkschmiere verteilen.
Vorbeugung ist wichtig
Um Hüftschmerzen beim Gehen vorzubeugen, können Sie einige allgemeine Empfehlungen beachten. Eine ausgewogene körperliche Aktivität, die sowohl Kraft als auch Flexibilität fördert, ist dabei von zentraler Bedeutung. Achten Sie auf eine gute Körperhaltung im Alltag und bei sportlichen Aktivitäten. Übergewicht kann die Hüftgelenke zusätzlich belasten; eine Reduktion des Körpergewichts kann daher entlastend wirken. Bei Sportarten mit hohem Impact ist es ratsam, auf geeignetes Schuhwerk zu achten und die Belastung langsam zu steigern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Hüftschmerzen beim Gehen viele Ursachen haben können. Eine frühzeitige Abklärung durch einen Arzt oder eine Ärztin ist empfehlenswert, um eine präzise Diagnose zu erhalten und schwerwiegende Ursachen auszuschließen. Physiotherapeutische Übungen und angepasste Bewegung können oft einen wertvollen Beitrag zur Linderung der Beschwerden und zur Wiederherstellung der Funktionalität leisten. Hören Sie auf Ihren Körper und zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie unsicher sind oder die Beschwerden anhalten.
Häufige Fragen
Wann sollte ich wegen Hüftschmerzen beim Gehen zum Arzt gehen?
Sie sollten ärztlichen Rat einholen, wenn die Schmerzen stark sind, plötzlich auftreten, sich nicht bessern, Sie hinken, Taubheit oder Kraftverlust im Bein spüren, Fieber haben oder nach einem Unfall. Diese Warnsignale erfordern eine professionelle Abklärung.
Welche Übungen helfen bei Hüftschmerzen beim Gehen?
Sanfte Kräftigungs- und Mobilisationsübungen können unterstützend wirken. Dazu gehören Beinheben in Seitenlage, die Muschelübung, der Beckenlift, Hüftbeuger-Dehnungen und Beinpendel. Es ist wichtig, die Übungen schmerzfrei auszuführen und bei Unsicherheit vorher ärztlichen oder physiotherapeutischen Rat einzuholen.
Was sind häufige Ursachen für Hüftschmerzen beim Gehen?
Häufige Ursachen sind Arthrose des Hüftgelenks, muskuläre Dysbalancen, Überlastung, Sehnenentzündungen (Tendinitiden) oder Schleimbeutelentzündungen (Bursitis). Auch ein Hüftimpingement oder ausstrahlende Schmerzen aus dem Rücken können eine Rolle spielen.
Passende Übungen bei Hüfte

Hüftbeuger dehnen im Ausfallschritt

Beinpendel im Stand

Muschel im Seitliegen

Beinheben im Seitliegen
