Ischias21. August 2026

Ischias-Beschwerden beim Gehen: Ursachen und erste Schritte

Leiden Sie unter Ischias-Schmerzen beim Gehen? Dieser Ratgeber erklärt mögliche Ursachen und zeigt Ihnen, wie Sie mit sanften Ansätzen Linderung finden können.

Hinweis: Die gezeigten Übungen sind informierende, unterstützende Übungen und ersetzen keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.

Ischias-Beschwerden, insbesondere wenn sie beim Gehen auftreten, können den Alltag erheblich einschränken und sind oft mit Schmerzen verbunden, die vom unteren Rücken bis ins Bein ausstrahlen. Der Ischiasnerv ist der längste und dickste Nerv im menschlichen Körper, und eine Reizung oder Kompression kann sehr unangenehme Empfindungen hervorrufen. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen zu verstehen und zu wissen, wann Sie professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Was ist der Ischiasnerv und was sind Ischias-Beschwerden?

Der Ischiasnerv, auch Nervus ischiadicus genannt, entspringt im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule und zieht sich durch das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis in den Fuß. Wenn dieser Nerv gereizt, eingeklemmt oder entzündet wird, spricht man von Ischias-Beschwerden oder Ischialgie. Die Symptome können variieren, umfassen aber häufig Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein Schwächegefühl im betroffenen Bein.

Typische Symptome beim Gehen

Viele Betroffene erleben eine Verstärkung der Symptome beim Gehen. Dies kann sich äußern als:

  • Ein ziehender oder stechender Schmerz, der vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis zum Fuß reichen kann.
  • Ein Gefühl von Taubheit oder Kribbeln, das sich beim Gehen verschlimmert.
  • Ein Schwächegefühl im betroffenen Bein, das das Gehen erschwert oder ein unsicheres Gefühl vermittelt.
  • Manchmal kann es auch zu einem brennenden Gefühl kommen.

Mögliche Ursachen für Ischias-Beschwerden beim Gehen

Die Reizung des Ischiasnervs kann verschiedene Gründe haben. Häufig sind strukturelle Probleme in der Wirbelsäule die Ursache, aber auch andere Faktoren können eine Rolle spielen.

Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall ist eine der häufigsten Ursachen für Ischias-Beschwerden. Dabei tritt ein Teil der Bandscheibe aus ihrem normalen Raum aus und kann direkt auf den Ischiasnerv oder dessen Wurzeln drücken. Die Bewegung beim Gehen kann diesen Druck verstärken und die Schmerzen verschlimmern.

Spinalkanalstenose

Bei einer Spinalkanalstenose verengt sich der Wirbelkanal, durch den das Rückenmark und die Nervenwurzeln verlaufen. Dies kann altersbedingt durch Verschleißerscheinungen (Arthrose) oder durch verdickte Bänder und Knochenwucherungen geschehen. Beim Gehen kann der Druck auf die Nerven zunehmen und Schmerzen im Bein verursachen, die oft als Claudicatio spinalis bezeichnet werden.

Piriformis-Syndrom

Der Piriformis-Muskel verläuft im Gesäßbereich und kann, wenn er verspannt oder verkürzt ist, Druck auf den Ischiasnerv ausüben, der oft direkt unter oder durch den Muskel verläuft. Dies wird als Piriformis-Syndrom bezeichnet. Bewegungen wie Gehen oder bestimmte Positionen können den Muskel anspannen und so die Nervenreizung verstärken.

Weitere mögliche Ursachen

  • Spondylolisthese: Ein Wirbelgleiten, bei dem ein Wirbelkörper über den darunterliegenden rutscht, kann Nerven einklemmen.
  • Entzündungen oder Infektionen: Seltenere Ursachen, die aber ebenfalls Nervenirritationen hervorrufen können.
  • Tumoren: In sehr seltenen Fällen können Tumoren im Bereich der Wirbelsäule oder des Nervenverlaufs auf den Ischiasnerv drücken.
  • Verletzungen: Traumatische Verletzungen des Beckens oder der Wirbelsäule.

Wann Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen sollten

Es ist entscheidend, auf bestimmte Warnsignale zu achten und bei deren Auftreten umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Physiotherapeutische Maßnahmen sind eine wertvolle Unterstützung, können aber eine medizinische Abklärung nicht ersetzen. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie folgende Symptome bemerken:

  • Plötzliche, starke oder zunehmende Schmerzen, die sich nicht bessern.
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln, das sich ausbreitet oder sehr intensiv ist.
  • Deutlicher Kraftverlust in einem Bein oder Fuß (z.B. ein „Fußheberparese“, bei der Sie den Fuß nicht mehr richtig anheben können).
  • Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang (Inkontinenz) oder Taubheitsgefühle im Genital- oder Analbereich (Sattelanästhesie). Dies sind Anzeichen für einen medizinischen Notfall (Cauda-equina-Syndrom).
  • Schmerzen, die durch einen Unfall oder Sturz verursacht wurden.
  • Fieber, unerklärlicher Gewichtsverlust oder anhaltende Müdigkeit in Verbindung mit den Schmerzen.

Auch bei anhaltenden oder wiederkehrenden Ischias-Beschwerden, die sich über mehrere Tage nicht bessern oder immer wieder auftreten, ist ein Arztbesuch ratsam, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die richtige Behandlungsstrategie festzulegen.

Erste Schritte zur Selbsthilfe und Linderung

Wenn die Symptome nicht akut oder schwerwiegend sind und ein Arztbesuch nicht unmittelbar erforderlich ist, können einige Maßnahmen zur Selbsthilfe beitragen, die Beschwerden zu lindern und den Alltag wieder angenehmer zu gestalten.

Ruhe und angepasste Bewegung

Eine kurze Phase der relativen Ruhe kann bei akuten Schmerzen hilfreich sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Bettruhe halten sollen. Oftmals kann leichte, angepasste Bewegung dazu beitragen, die Muskulatur zu lockern und die Durchblutung zu fördern. Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.

Wärme- oder Kälteanwendung

Manche Menschen empfinden Wärme (z.B. Wärmflasche, warmes Bad) als wohltuend, da sie zur Muskelentspannung beitragen kann. Andere wiederum bevorzugen Kälte (z.B. Kühlpackung), um Entzündungen zu lindern. Probieren Sie aus, was Ihnen persönlich besser hilft.

Schmerzmittel und entzündungshemmende Mittel

Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei anhaltenden oder stärkeren Schmerzen sollte dies jedoch immer mit einem Arzt besprochen werden.

Haltung und Ergonomie

Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, sowohl im Sitzen als auch im Stehen. Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kann ebenfalls dazu beitragen, die Wirbelsäule zu entlasten und ungünstige Belastungen zu vermeiden.

Sanfte Übungsansätze, die unterstützen können

Bewegung ist oft ein wichtiger Bestandteil der Genesung bei Ischias-Beschwerden. Die folgenden Übungen sind sanft und können dazu beitragen, Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern. Führen Sie sie langsam und kontrolliert aus. Brechen Sie die Übung sofort ab, wenn Sie Schmerzen verspüren oder diese sich verschlimmern.

1. Knie zur Brust ziehen

Legen Sie sich auf den Rücken, die Knie sind angewinkelt und die Füße stehen flach auf dem Boden. Ziehen Sie ein Knie sanft zur Brust und halten Sie es mit beiden Händen fest. Spüren Sie eine leichte Dehnung im unteren Rücken und Gesäß. Halten Sie die Position für 20–30 Sekunden und wechseln Sie dann das Bein. Wiederholen Sie dies 3–5 Mal pro Seite.

2. Beckenkippung

Bleiben Sie in Rückenlage mit angewinkelten Knien. Kippen Sie Ihr Becken langsam nach hinten, sodass der untere Rücken auf den Boden gedrückt wird. Anschließend kippen Sie das Becken nach vorne, sodass ein kleines Hohlkreuz entsteht. Führen Sie diese Bewegung langsam und kontrolliert 10–15 Mal aus. Dies mobilisiert die Lendenwirbelsäule sanft.

3. Katze-Kuh

Gehen Sie in den Vierfüßlerstand. Atmen Sie ein und machen Sie einen Hohlrücken, indem Sie das Becken nach hinten kippen und den Kopf leicht heben (Kuh-Position). Atmen Sie aus und machen Sie einen Rundrücken, indem Sie das Becken nach vorne kippen und den Kopf senken (Katze-Position). Wiederholen Sie diesen Wechsel 10–12 Mal, um die Wirbelsäule zu mobilisieren.

4. Piriformis-Dehnung im Liegen

Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie die Füße auf. Legen Sie den Knöchel des schmerzenden Beins auf das Knie des anderen Beins (Vierer-Figur). Fassen Sie mit beiden Händen hinter den Oberschenkel des aufgestellten Beins und ziehen Sie dieses sanft zur Brust. Sie sollten eine Dehnung im Gesäß des schmerzenden Beins spüren. Halten Sie die Dehnung für 20–30 Sekunden. Wiederholen Sie dies 3 Mal pro Seite.

5. Seitliche Rumpfbeuge im Stehen

Stellen Sie sich aufrecht hin, die Füße hüftbreit auseinander. Lassen Sie einen Arm locker seitlich am Körper herunterhängen. Beugen Sie sich langsam zur Seite, als wollten Sie mit der Hand das Knie berühren. Spüren Sie eine Dehnung an der gegenüberliegenden Rumpfseite. Halten Sie kurz und kehren Sie langsam in die Ausgangsposition zurück. Führen Sie dies 5–8 Mal pro Seite aus.

6. Gehen auf den Fersen und Zehenspitzen

Gehen Sie abwechselnd eine kurze Strecke auf den Fersen und dann auf den Zehenspitzen. Dies kann dazu beitragen, die Muskulatur in den Unterschenkeln und Füßen zu aktivieren und die Nervenbahnen sanft zu stimulieren. Achten Sie auf einen festen Stand und halten Sie sich bei Bedarf fest.

7. Dehnung der Oberschenkelrückseite (Hamstrings)

Setzen Sie sich auf den Boden, die Beine sind gestreckt. Wenn dies zu schmerzhaft ist, können Sie auch ein Bein anwinkeln. Lehnen Sie sich mit geradem Rücken langsam nach vorne, bis Sie eine Dehnung in der Rückseite der Oberschenkel spüren. Halten Sie die Dehnung für 20–30 Sekunden. Alternativ können Sie diese Dehnung auch im Stehen durchführen, indem Sie ein Bein mit der Ferse auf eine erhöhte Fläche legen und den Oberkörper gerade nach vorne neigen. Wiederholen Sie dies 3 Mal.

Fazit

Ischias-Beschwerden beim Gehen können vielfältige Ursachen haben und sind für viele Betroffene sehr unangenehm. Während sanfte Übungen und Selbsthilfemaßnahmen zur Linderung beitragen können, ist es von größter Bedeutung, bei anhaltenden, starken oder neu auftretenden Symptomen immer einen Arzt zu konsultieren. Eine genaue Diagnose ist die Grundlage für eine effektive Behandlung. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Ihnen eine individuelle Therapie empfehlen und Sie auf dem Weg zur Besserung begleiten.

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